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Bösartige Brusterkrankungen (Brustkrebs)

Was ist Brustkrebs

Unter Krebs versteht man unkontrolliertes und zerstörendes Wachstum von Körpergewebe. Normalerweise erkennt der Körper Zellen, die entsprechende Schädigungen aufweisen und beseitigt sie. Aus Gründen, die bisher nicht eindeutig geklärt sind, kann es zum Versagen dieser Kontrollmechanismen des Körpers kommen. Eine einzige entartete Zelle genügt, um Krebs zu verursachen, indem sie sich immer wieder teilt und schliesslich das gesunde Gewebe verdrängt und zerstört. Im Fall von Brustkrebs entsteht aus den bösartigen Zellen ein Knoten, der immer weiter wächst und schliesslich an der Haut oder an der Brustwand durchbrechen kann. Bis man den Knoten tasten kann, können mehrere Jahre vergehen.

 

 

Wie entstehen Metastasen (Ableger)

Über die Lymphbahnen und Blutgefässe können Krebszellen ausserdem vom Entstehungsort abwandern und sich an entfernteren Stellen neu ansiedeln. Diese können Metastasen bilden, wobei besonders die Lymphknoten der Achselhöhle, sowie Lunge, Leber und Knochen (sog. Fernmetastasen) befallen werden. Das Risiko hierfür steigt mit zunehmender Grösse des Primärtumors.

 

Brustkrebs ist also primär eine Erkrankung der Brust, kann aber zu einer Erkrankung für den ganzen Körper werden, das erklärt die verschiedenen Therapieansätze.

 

 

Warum entsteht Brustkrebs

Eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Brustkrebs scheint die Dauer des Östrogeneinflusses zu spielen. Dies sind körpereigene Hormone, die z.B. wichtig sind für den normal funktionierenden Menstruationszyklus. Hier hat man herausgefunden, dass Östrogene wahrscheinlich den Brustkrebs nicht auslösen, die Entstehung aber begünstigen können.

 

Auch eine erbliche Form des Mammkarzinoms ist bekannt, hier finden sich Mutationen im sog. Brustkrebsgen BRCA 1 und 2. Insgesamt betrifft dies allerdings nur 3-5% aller Mammakarzinome.

 

Trotz weltweiter, intensiver Forschung nach den Ursachen und Zusammenhängen von Brustkrebs bleibt vieles im Bereich der Entstehung des Brustkrebs noch im Ungewissen.

 

 

Häufigkeit von Brustkrebs

Unter allen bösartigen Erkrankungen bei der Frau ist Brustkrebs die häufigste. Sie kann Frauen in jedem Alter betreffen, Frauen zwischen 50 und 70 Jahren haben das grösste Erkrankungsrisiko. In den letzten Jahren scheinen aber immer häufiger auch jüngere Frauen zu erkranken. Insgesamt liegt das Risiko für jede Frau, im Laufe ihres Lebens Brustkrebs zu bekommen, bei 7-10 %. Frauen aus Europa und Nordamerika erkranken dabei häufiger als z.B. asiatische Frauen.

 

 

Arten von Brustkrebs

Aufgrund der mikroskopischen Untersuchung kann man die verschiedenen Brustkrebsarten unterscheiden. Die Einteilung orientiert sich dabei an dem anatomischen Aufbau der Brust. Die Brust besteht hauptsächlich aus Drüsen- und Fettgewebe, sowie Bindegewebe. Die Drüsenläppchen (Lobulus) bilden in der Stillzeit die Muttermilch, die über Milchgänge (Ductus) abfliessen kann. Die vielen kleinen Milchgänge vereinigen sich im Verlauf zu einigen grossen und münden schliesslich in die Brustwarze.

 

Entsteht der Brustkrebs an der inneren Zellschicht der Milchgänge, spricht man vom duktalen Mammakarzinom. Dies ist die häufigste Art von Brustkrebs.

 

Das lobuläre Mammakarzinom dagegen entsteht in den  Drüsenläppchen. Andere Brustkrebsarten sind seltener.

 

Sind die malignen Zellen noch nicht in die Nachbarstrukturen eingebrochen, handelt es sich um ein Carcinoma in situ.

 

 

Risikofaktoren

Welche Frauen haben ein erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken?

 

Genetische Faktoren

wenn zwei oder mehr Frauen in der Familie oder eine Frau sehr jung an Brust- und/oder Eierstockkrebs erkrankt sind/ist

Brustkrebs 

Bei einseitigem Brustkrebs steigt das Risiko, auch auf der anderen Seite zu erkranken.

   

Brusterkrankungen

fortgeschrittene Mastopathie (knotige Veränderung)

Hormoneinfluss       

 

 - frühe 1. Menstruation, späte Wechseljahre
- Keine bzw. späte Schwangerschaft
- Hormonpräparate, 5 Jahre nach Absetzen ist das Risiko nicht mehr erhöht

Alter  

>50 Jahre

Lebensumstände     

Übergewicht, übermässiger Alkoholgenuss

 

 

Untersuchungen

Der wichtigste Faktor für eine erfolgreiche Therapie ist die Erkennung der Erkrankung in einem frühen Stadium bzw. in einer Vorstufe. Die jährliche Tastuntersuchung beim betreuenden Arzt und auch die Selbstuntersuchung sind wichtige Basisuntersuchungen. Bei grossen Brüsten oder sehr dichtem Gewebe kann die Tastuntersuchung jedoch in ihrer Aussagekraft eingeschränkt sein.

 

Die beste Untersuchung ist nach wie vor die Mammographie. Hierbei können neben Tumoren auch verdächtige Verkalkungen als frühe Hinweise eines Mammakarzinoms oder einer Vorstufe erkannt werden, bevor man einen Knoten tasten kann. Bei dichtem Brustdrüsengewebe z.B. bei jungen Frauen, kann auch hier die Aussagekraft eingeschränkt sein, als ergänzende Untersuchung wird man dann eine Ultraschalluntersuchung, die Mammasonographie durchführen. In bestimmten Fällen wird man ausserdem Vergrösserungsaufnahmen, MRI-Untersuchungen, Galaktographien u.a. empfehlen.

 

Finden sich Hinweise für eine Veränderung, müssen diese weiter abgeklärt werden. Letztendlich kann eine Aussage über Gut- oder Bösartigkeit nur durch Gewebsuntersuchungen, sog. histologische Untersuchungen,  getroffen werden. Hierfür gibt es verschiedene Verfahren, wie die Vacuumbiopsie, die Stanzbiopsie oder die offene Probeentnahme. (Näheres siehe Kapitel Diagnostik).

 

Ziel ist es, bei Verdacht auf ein Mammakarzinom die Diagnose durch solche histologischen Untersuchungen zu bestätigen, bevor man die weitere Therapie, vor allem die Operation, plant.

 

Ergeben die histologischen Untersuchungen tatsächlich die Diagnose Brustkrebs, ist es ausserdem für die Festlegung der richtigen Behandlung wichtig zu wissen, ob bereits Fernmetastasen (Ableger) vorliegen. Untersuchungsmöglichkeiten hierfür sind ein Röntgenbild der Lunge, eine Sonographie des Oberbauches und die Skelettszintigraphie (sog. Staginguntersuchungen).

 

 

Stadieneinteilung

Brustkrebs wird nach internationalem Standard nach verschiedenen Kriterien eingeteilt. Die Einteilung ist wichtig für die Planung der richtigen Behandlung, erlaubt aber auch eine Prognoseabschätzung. Man verwendet die TNM-Klassikfikation, die auch bei anderen Krebsarten benutzt wird. T steht hierbei für Tumor, N für Nodes (=Lymphknoten) und M für Metastasen. Die endgültige Stadieneinteilung kann erst nach der Operation festgelegt werden, nachdem das Gewebe vom Pathologen histologisch untersucht wurde.

 

Die Einteilung zu T (=Tumor) bedeutet

T0

Primärtumor kann nicht nachgewiesen werden

T1

Tumor < 2cm

T2

Tumor 2-5 cm

T3

Tumor > 5cm

T4

Tumor jeglicher Grösse, der sich auf Brustwand oder Haut ausdehnt

 

Die Einteilung zu N (=Lymphknoten) bedeutet

Nx

Lymphknotenbefall kann nicht beurteilt werden

N0

kein Lymphknotenbefall

N1

1-3 Lymphknoten der Achselhöhle der gleichen Seite befallen

N2

4-9 Lymphknoten der Achselhöhle der gleichen Seite befallen

N3

>10 Lymphknoten der Achselhöhle der gleichen Seite oder Lymphknoten entlang des Schlüsselbeins befallen

n

Die Einteilung zu M (=Metastasen) bedeutet

Mx

Fernmetastasen können nicht beurteilt werden

M0

Keine Fernmetastasen

M1

Fernmetastasen

 

 

Behandlung

Operation

In der Regel ist die Operation die erste und wichtigste Behandlung. Das Ziel ist die vollständige Entfernung des Primärtumors mit einem genügend grossen Sicherheitsabstand. Heutzutage kann dabei die Brust in den meisten Fällen erhalten werden, eine Entfernung der ganzen Brust (Ablatio, Mastektomie) ist nur notwendig, wenn der Tumor zu gross ist oder mehrere Herde nachweisbar sind.

 

Bei der Operation entnimmt man ausserdem Lymphknoten aus der Achselhöhle, denn nur nach einer histologischen Untersuchung lässt sich endgültig bestimmen, ob diese bereits befallen sind. Auch hier hat die Medizin grosse Fortschritte gemacht. So ist es bis auf wenige Ausnahmen möglich, den sogenannten Wächterlymphknoten (Sentinel-Lymphknoten) zu markieren und diesen gezielt zu entfernen. Dies ist der erste Lymphknoten, der von den Krebszellen erreicht wird. Noch während der Operation kann  der Pathologe eine Schnelluntersuchung mit hoher Sicherheit durchführen. Ist der Wächterlymphknoten frei von Tumorzellen, ist ein Befall der dahinterliegenden Lymphknoten nach heutigem Wissen sehr unwahrscheinlich und auf die Entfernung weiterer Lymphknoten der Achselhöhle kann verzichtet werden. (siehe auch unter Diagnostik)

 

Ob eine weitere Therapie nach der Operation notwendig ist, hängt vom Stadium des Brustkrebses und seinen Charakteristika ab.

 

 

Bestrahlung

Nach allen brusterhaltenden Operationen wird man die Bestrahlung der verbliebenen Brust empfehlen, um das Risiko für einen Rückfall (Rezidiv) zu senken. Auch nach einer Brustamputation kann in manchen Fällen eine Bestrahlung der Brustwand sinnvoll sein, oder bei sehr ausgedehntem Befall der Achsellymphknoten.

 

 

Medikamentöse Behandlung

Wie bereits erläutert, können einzelne Tumorzellen über den Blutkreislauf in den ganzen Körper streuen und sogenannte Fernmetastasen bilden. Das Risiko hängt auch hier vom Tumorstadium und seinen Eigenschaften ab. Ausgehend von diesem Risiko wird man ausserdem eine anschliessende Chemotherapie empfehlen, um solche wandernden Zellen im ganzen Körper zu bekämpfen.

 

Wenn der Brustkrebs empfindlich auf Hormone reagiert (sog. Östrogen- oder Progesteronrezeptorpositiver Tumor), ist die Gabe eines „Anti-Hormons“ (hormonelle Therapie) eine weitere Behandlungsmöglichkeit.

 

Je nach Art und Ausbreitung des Tumors wird die optimale Therapie also für jede Patientin individuell festgelegt, deshalb kann es sein, dass zwei Frauen mit Brustkrebs verschieden behandelt werden. Welche Therapie im Einzelfall sinnvoll ist, wird in Zusammenarbeit der einzelnen Spezialisten festgelegt und mit jeder Patientin ausführlich besprochen.

 

 

Wiederaufbau der Brust

Ist eine brusterhaltende Operation nicht möglich und die ganze Brust muss entfernt werden, gibt es verschiedene Möglichkeiten für einen Wiederaufbau der Brust. Dieser Aufbau kann in der gleichen Operation erfolgen oder zu einem späteren Zeitpunkt vorgenommen werden. Grundsätzlich unterscheidet man die Brustrekonstruktion mit körpereigenem Material von dem Einsatz von Prothesen.

 

Als körpereigenes Material kann z.B. ein Teil des grossen Rückenmuskels oder des Bauchmuskels verwendet werden. Bereits vor der geplanten Brustkrebsoperation kann die Möglichkeit des Brustaufbaus mit den behandelnden Ärzten genau besprochen und die individuell beste Alternative gefunden werden. Auch wenn kein Aufbau der Brust gewünscht wird, kann die fehlende Brust durch verschiedene äussere Prothesen ausgeglichen werden.

 

 

Tumornachsorge

Die regelmässigen Nachsorgeuntersuchungen dienen einerseits dazu, ein Wiederauftreten (Rezidiv) des Tumors oder einen Brustkrebs auf der Gegenseite früh zu erkennen, andererseits geht es hier auch darum, mögliche Nebenwirkungen der Therapie zu erfassen und zu behandeln. Auch will der Arzt hier ein Ansprechpartner für psychische oder soziale Probleme sein und entsprechende Hilfe vermitteln.

 

An unserem Zentrum werden klinische Kontrollen (auch gern abwechselnd mit dem betreuenden Hausarzt) alle drei Monate vorgenommen, eine Ultraschalluntersuchung der betroffenen Brust und der Gegenseite alle sechs Monate und eine Mammographie einmal jährlich. Nach drei Jahren verlängert sich das Intervall der klinischen Kontrollen auf halbjährlich, nach fünf Jahren auf einmal jährlich. Natürlich kann bei Beschwerden oder Problemen jeglicher Art jederzeit eine Kontrolle durchgeführt werden.

 

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