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Strahlentherapie (Radiatio)

Radio-Onkologie

Die Radio-Onkologie befasst sich neben den allgemeinen Aspekten der Onkologie (= Krebsbehandlung) mit der Behandlung bösartiger Tumoren mittels Strahlen.

 

Die Institut für Radio-Onkologie ist zusammen mit der Medizinischen Onkologie und der Dermatologie in einem separaten Gebäude (Haus für Onkologie) untergebracht, im Erdgeschoss und im ersten Untergeschoss. Das Institut umfasst Räume für die ambulante Sprechstunde, für die Planung und die verschiedenen Formen der Bestrahlung.

 

Warum benötige ich eine Bestrahlung? - Indikation

Ziel der Behandlung ist es, Tumorzellen oder Kleinstmetastasen zu zerstören, die eventuell noch im Operationsgebiet verblieben sind, damit es nicht zu einem Wiederauftreten des Tumors (Lokalrezidiv) kommt.

 

Bei Brustkrebs ist die Bestrahlung nach Operation immer notwendig, wenn chirurgisch nur der Tumorknoten mit einem Sicherheitssaum entfernt, aber das übrige Brustdrüsengewebe belassen werden konnte. In gewissen Fällen (Patientenalter, Abstand zwischen Tumor und Schnittrand, Tumoraggressivität) wird anschliessend der ehemalige Tumorbereich kleinvolumig mit einer höheren Strahlendosis behandelt als die übrige Brust.

 

Nach Abnahme der Brust (Ablatio mammae) wird eine Bestrahlung nötig, wenn ungünstige Prognosefaktoren vorliegen: Infiltration von Haut oder Thoraxwand, multifokaler Tumor, fehlende Radikalität.

 

Neben der Bestrahlung der erkrankten Brust kann es notwendig werden, auch die Lymphabflusswege zu bestrahlen, dies insbesondere, wenn viele Lymphknoten tumorbefallen waren.

 


Was ist der Unterschied zur Chemotherapie?

Die Radiotherapie kann keine Chemotherapie respektive Hormontherapie (= Systembehandlungen) ersetzen und umgekehrt macht auch eine Systembehandlung eine Bestrahlung nicht überflüssig.

 

Eine Bestrahlung wirkt lokal, sie soll ein Wiederauftreten eines Tumors im ehemaligen Operationsgebiet verhindern. Die Chemotherapie hat dagegen die Aufgabe, möglicherweise in die Blutbahn abgeschwemmte Tumorzellen abzutöten. Daher betreffen die Nebenwirkungen der Systemtherapie auch den gesamten Körper (z.B. Haarverlust, Geschmacksveränderungen, Übelkeit, Nagelverfärbungen). Die Nebenwirkungen der Radiotherapie sind auf das Bestrahlungsgebiet begrenzt.

 


Wie gefährlich sind die Strahlen? Schaden sie mir?

Strahlen müssen sorgsam eingesetzt werden. Vergleichbar mit einem Medikament, kann der unbedachte Gebrauch Schäden herbeiführen. Zur Behandlung des Brustkrebses sind Strahlen ein sehr effektvolles Mittel mit geringen Nebenwirkungen. Der Nutzen der Behandlung wird in jedem Einzelfall gegenüber den möglichen negativen Auswirkungen abgewogen. Sollten wir Ihnen eine Radiotherapie empfehlen, können Sie sicher sein, dass Sie einen deutlichen Vorteil durch die Radiotherapie haben.

 
 
Zu den Nebenwirkungen der Behandlung lesen Sie bitte im unteren Abschnitt. Aus langjähriger Beobachtung wissen wir, dass die Anwendung von Strahlen frühestens 10 Jahre später einen bösartigen Tumor auslösen kann. Allerdings beträgt dieses Risiko nur etwa 0,3 %. Da Sie sich nach der Brustkrebsbehandlung in ständiger ärztlicher Kontrolle befinden werden, würde im Falle eines Zweittumors die Diagnose rasch gestellt und eine Behandlung eingeleitet werden.

 


Planung

Wird keine Chemotherapie vorgeschaltet, kann die Bestrahlung ca. 4-6 Wochen nach Operation beginnen. Zum Einsatz kommen elektromagnetische Strahlen, selten auch Teilchenstrahler. Die Bestrahlung wird für jede Patientin individuell geplant. Dafür wird ein Computertomogramm angefertigt, zur genauen Bestimmung der Grösse, Form und Lage der Brust bzw. Brustwand und der Nachbarorgane. Die Daten werden an das Bestrahlungsplanungssystem übermittelt. Ziel ist, den Brustdrüsenkörper homogen zu bestrahlen, andererseits aber das gesunde Nachbargewebe möglichst zu schonen. Nach Festlegung der Bestrahlungstechnik mit Bestimmung z.B. der Anzahl, Grösse und Ein-strahlwinkel der Felder wird am Simulator überprüft, ob der am Computer berechnete Plan mit der Realität übereinstimmt. Der Simulator ist eine Geräteeinheit, die aus einem Durchleuchtungsgerät und einer Nachbildung des Bestrahlungstisches besteht. So können die Bestrahlungsbedingungen nachgeahmt (= simuliert) werden. Anschliessend werden die Feldgrenzen und andere Markierungen als Einstellungshilfe auf die Haut eingezeichnet. Eine andere Methode wäre die Tätowierung, sie bestünde aber dann lebenslänglich.

 


Ablauf der Bestrahlung

Zur Verhütung von Nebenwirkungen wird die Behandlung mit vielen kleinen Einzelsitzungen durchgeführt, eine Radiotherapie der Brust dauert deshalb in der Regel um die 6 Wochen. Die Bestrahlung erfolgt 5 x wöchentlich, täglich an den Werktagen von Montag bis Freitag. Wir bemühen uns, an "kurzen" Wochen mit Feiertagen die fünfte Bestrahlungssitzung zu kompensieren, das bedeutet, dass sie an einem Tag 2 x im Abstand von mindestens 6 Stunden bestrahlt werden.

 

Die Bestrahlung erfolgt in Rückenlage, der Oberkörper wird häufig hoch gelagert, die Arme müssen aus Gründen der Bestrahlungstechnik über den Kopf genommen werden. Das Bestrahlungsgerät befindet sich etwa in 50 cm Abstand vom Körper. Eine Sitzung dauert 2 bis 3 Minuten. Aus Strahlenschutzgründen ist die Patientin alleine im Raum, er wird aber über Kamera und Mikrophone überwacht. Eine Unterbrechung der Bestrahlungssitzung ist zu jedem Zeitpunkt möglich. Die Strahlung kann vom Menschen nicht wahrgenommen werden, jedoch gibt das Bestrahlungsgerät ein leises Geräusch von sich. Die Länge der Bestrahlungszeit kann variieren, erst wenn die erforderliche Dosis appliziert worden ist, schaltet das Gerät ab.

 

Die Bestrahlung an der Brust ist nicht sehr belastend, die Behandlung erfolgt deshalb ambulant. Bei der Terminvergabe wird darauf geachtet, dass sie weitgehend Ihren normalen Tagesablauf beibehalten können. Sie brauchen während der Bestrahlungsperiode nicht zu arbeiten. Manche Frauen arbeiten dennoch, weil sie am Arbeitsplatz Ablenkung und Ansprache haben. Sie können das selbst entscheiden.

 


 
Nebenwirkungen

Wir unterscheiden akute Nebenwirkungen, die fast bei jeder Patientin während der Behandlung auftreten und sich gewöhnlich komplett zurückbilden von späten Nebenwirkungen, die sehr selten sind, sich Wochen oder Monate nach Behandlungsende zeigen und überwiegend bleibenden Charakter haben.

 

Mögliche akute Nebenwirkungen:
Etwa 2 Wochen nach Therapiebeginn bildet sich eine Hautrötung unterschiedlicher Intensität, gelegentlich kommt es auch zu oberflächlichen Hautläsionen (Epitheliolysen). Diese Hautreaktionen klingen innerhalb 1 bis 2 Wochen nach Behandlungsende ab. Gelegentlich kann ein Schwellungs- oder Spannungsgefühl in der bestrahlten Brust auftreten. Das Allgemeinbefinden kann durch Müdigkeit beeinträchtigt sein, insbesondere wenn zuvor körperlich anstrengende zusätzliche Behandlungen (Operation, Chemotherapie) erfolgt sind. Bei einer Bestrahlung der Lymphknoten können vorübergehend Schluckbeschwerden auftreten.

 

Mögliche späte Nebenwirkungen:
Als Spätfolge kann es zu einer Verfestigung der Brust kommen, teilweise besteht diese aber auch bereits durch die Narbenbildung nach Operation. Bleibende Hautveränderungen in Form einer Hyperpigmentierung (Bräunung) oder Erweiterung von Hautgefässen (Besenreiser = Teleangiektasien) sind selten. Im mitbestrahlen (kleinen) Lungenanteil kann es zur Ausbildung von Vernarbungen (Fibrosen) kommen. Auf die Atemfunktion wirken sich diese überwiegend nicht aus. Nach der Anwendung bestimmter Zytostatika (Antrazykline) ist bei der Bestrahlung der linken Brust das Risiko, in ca. 8 bis 10 Jahren an Durchblutungsstörungen des Herzens zu erkranken, leicht erhöht. Um das (eher niedrige) Risiko für Herz- und Lungenschäden noch weiter zu minimieren, sollten Sie unbedingt auf das Rauchen verzichten. Nikotin stellt eine zusätzliche Belastung für diese Organe dar. Bei der Bestrahlung der Achselhöhle ist die Ausbildung einer Lymphabflussstörung des betroffenen Armes eine seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung.

 


Wie geht es nach der Strahlentherapie weiter?
Nach der letzten Bestrahlung folgt ein Abschlussgespräch mit Ihrem Arzt respektive der Radio-Onkologie-Schwester. Sie erklären Ihnen auch die Hautpflege und die speziellen Verhaltensregeln in den darauf folgenden Wochen.

 

 
Zur weiteren Behandlung (z.B. Hormon- respektive Chemo- oder Antikörpertherapie) und zur Nachsorge werden Sie Ihrem überweisenden Arzt zurückgewiesen. Die Nachsorge bei uns erfolgt nur solange akute Reaktionen der Bestrahlung vorliegen.

 

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